Smetanova Litomyšl, o.p.s.
Jiráskova 133, 570 01 Litomyšl
Tschechische Republik
Karte


 


Aleš Lamr – Die Jagd beginnt mit den Augen

E-Mail

 A.LamrAusstellung von Aleš Lamrs Werken aus der letzten Zeit

Veranstalter Galerie Miroslav Kubík und Smetanova Litomyšl, o.p.s.


Galerie Miroslav Kubík, Smetanovo nám. 71, Litomyšl,
11. 6. - 31. 7. 2011

Kurator Richard Drury
Vernissage 11. 6. um 14 Uhr
Geöffnet während des Festivals „Smetanova Litomyšl" täglich von 10 bis 18 Uhr, sonst von 10 bis 17 Uhr.

In einem Zeitalter, wo man behaupten könnte, dass der heutige künstlerische Ausdruck sich deutlich von der historischen Aufgabe eines Vermittlers der humanistischen Botschaft zur entpersönlichten Gesellschaftsanalyse und -kritik abwendet, ist das Werk von Aleš Lamr ein Beweis der ständigen Fähigkeit der „traditionellen" Malerei, den heutigen Betrachter anzusprechen. Das Kernstück von Lamrs Symbolik ist der Mensch - das zeitlose und dabei immer neue Wesen, einmalig in seinem konkreten Leben, zugleich eng mit der übrigen Menschheit in der Suche nach dem Sinn der Dinge in und um sich herum verbunden. Trotz der verschiedenen Wandlungen, die in Lamrs Werk seit der ersten Hälfte der 1960er Jahre, als der Künstler die tschechische künstlerische Szene betrat, zu beobachten gewesen sind, steht darüber sein klares, nie versiegendes Interesse an einer symbolischen Darstellung des Menschlichen, und zwar sowohl in der lesbaren Heiterkeit, Verspieltheit und dem Humor als auch auf der eher versteckten Ebene ernsthafter spiritueller Reflexionen.
Die ersten ausgereiften Arbeiten von Aleš Lamr entstanden Mitte der 1960er Jahre und befassen sich systematisch mit der archetypischen Darstellung der menschlichen Figur. Der Einfluss der klassischen Moderne, inspiriert von der außereuropäischen „primitiven" Kunst ist hier offensichtlich, ebenso wie auch der Nachlass vom Surrealismus und seinen fantasievollen Visionen aus der „intuitiven Traumrealität". Zu einem grundsätzlichen Umbruch kam es in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, als Lamr von der Pop Art stark beeindruckt wurde. Es folgte eine heftige Lockerung von Farbe und Form, wobei Lamr in kurzer Zeit seine heute unverwechselbare visuelle Sprache entwickelte, die auf einem dynamischen Zwischenspiel vereinfachter Strukturen und einem leuchtenden koloristischen Vorgang basiert. Obwohl Lamrs Bilder aus der Wende zwischen den 60er und 70er Jahren eine gemeinsame Sprache mit Roy Lichtensteins Comics-Ironie und Allen Jones' expressiver Figurendeformation finden, trifft man seit den siebziger Jahren in ihnen bezeichnende Züge einer „heimischen" tschechischen Groteske, in welcher die dunkle Absurdität des Lebens in der totalitären Gesellschaft durch die groteske „Nichtrealität" des Bildes metaphorisch widerspiegelt wird. Auch das banalste Thema aus dem Alltagsleben verwandelt sich bei Lamr in eine plastische Vision, voll von nicht unterdrückbarer Vitalität. Obwohl sich die Bilder in den letzten zwanzig Jahren scheinbar auf der Ebene der „reinen" Abstraktion bewegen, ist der menschliche Geist in ihrer Gefühlsladung immer dringend präsent.
Das Schöpfungswunder projiziert sich bei Lamr in die Metaphorik der „zauberhaften Geometrie"; häufig wird es beispielsweise durch eine an quirlende oder Wasserstrudel erinnernde Spiralform symbolisiert. Die Struktur verwobener Linien, manchmal Lianen oder einem lebenden Raster ähnlich, können als Ausdruck der Strömung und Durchschneidung von Naturenergie und menschlicher Psyche verstanden werden. In den letzten Jahren taucht die Figur auch (im wahrsten Sinne des Wortes) als „Synchronschwimmerin" auf Lamrs Bildern auf, freudig im imaginären „Fluidum" der allumspannenden Existenz.


Der neue Zyklus von Aleš Lamr, der in Litomyšl präsentiert wird, entsteht durch das Klecksen von Acrylfarben auf Leinwand. Der bereits erwähnte Dynamismus des Malers findet hier seine äußerste Form als reine Aufzeichnung der Handbewegung und nachfolgende Begegnung der Farbmasse mit der Bildfläche. Es entstehen explosiv expressive Formen, teilweise gesteuert vom Künstlervorhaben, teilweise auch stark unvorhersehbar. Einige Stellen können an Saurier erinnern, ihr symbolisches Lesen ist allerdings vor allem eine Herausforderung für die eigene Fantasie des Zuschauers. Lamrs legendäre Farbigkeit wird in diesen Bildern extrem gesteigert; man beobachtet eine besondere optische Vibration oder Oszillation, verursacht von scharfen Farbkontrasten und noch potenziert durch „struppige" Formenumrisse. Ein weiteres wesentliches Element des Zyklus ist die Art und Weise, wie der Maler kleinere Leinwände zu Konzeptgruppen zusammenlegt. So kommt das Modularitätsprinzip ins Spiel, eine grundlegende Erscheinung der Natur und der menschlichen Zivilisation.

Aleš Lamr ist Künstler von festem Glauben. Er ist tief überzeugt vom positiven Wert des menschlichen Lebens. Seine Regenbogenpalette spricht zu uns von der Entschlossenheit, in jedem Sinn auf dem „Weg zum Licht" zu bleiben. Er erfüllt vollkommen den Sinn des Ausspruchs von Max Ernst, demzufolge die Malerei ständig „erfinden, entdecken, enthüllen" solle. (Richard Drury)

ukázka tvorby 2010

 
< zurück   weiter >


Zufällige Bilder

1119103454_fotka_dsc_2846 _MG_2034 1182016107_fotka_dsc_0126

News registrieren

:
: